avatar
mojoreads

Die Sichtbarkeit unabhängiger Verlage

Buchhandlung


Gerade kleinere Verlage stehen derzeit vor dem Problem, dass ein Großteil ihrer Bücher nicht mehr über den Großhandel erhältlich ist.

Das hat für die betroffenen Verlage leider sehr ernste Konsequenzen, weil es für potentielle Kunden dann so aussieht, als gäbe es diese Bücher gar nicht (mehr) – und Bücher, die es nicht gibt, können logischerweise auch nicht verkauft werden.

Aber warum ist das so?

Das Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) umfasst derzeit knapp 2,5 Millionen Titel. Das sind Bücher aus aktueller Verlagsproduktion, die nun auf der Suche nach ihren Leser*innen sind.

Damit diese Bücher ihre Leser*innen finden, sind Autor*innen und Verlage auf den Buchhandel angewiesen, der diesen Büchern Sichtbarkeit verschafft. Denn wie gesagt: Bücher, die nicht gesehen werden, werden auch nicht gekauft.

Das Problem ist, dass von diesen knapp 2,5 Millionen Büchern gerade einmal 10 bis 15.000 Stück in einer durchschnittlichen Buchhandlung Platz haben – also weniger als 1% dessen, was die Verlage im Angebot haben.

In den Online-Shops der Buchhandlungen sieht es schon ein wenig besser aus, da man die Titel dafür nicht selbst auf Lager haben muss, sondern sich der (Versand-) Dienstleistungen der jeweiligen Großhändler bedienen kann, was den Lagerbestand im besten Falle auf ca. 750.000 Titel erhöht.

Aber selbst das sind gerade einmal 30% der insgesamt lieferbaren Titel aus aktueller Verlagsproduktion. Das bedeutet, dass 70% der Bücher noch nicht einmal über die buchhändlerischen Online-Shops verfügbar sind, da eine Einzelbestellung direkt beim Verlag für die meisten Händler schlichtweg zu unwirtschaftlich ist. Hier eine kleine Grafik, die das Problem visualisiert:

VLB+Libri+Bücher


Wie sollen Bücher also ihren Weg zu den Leser*innen finden?

Die Verlage sind darauf angewiesen, den Büchern ihrer Autor*innen Sichtbarkeit zu verschaffen. Die klassischen Vermittlungsinstanzen von Literatur – der Buchhandel und das Feuilleton – verlieren leider immer stärker an Bedeutung, bzw. auch sie befinden sich in einem gnadenlosen Kampf um Aufmerksamkeit im Netz, das in unser aller Mediennutzungsverhalten eine immer größere Rolle spielt.

Gerade in der Nische ergeben sich aber auch neue Chancen, da engagierte Buch-Blogger*innen oder Fans in Buch-Communities »Werbung« für ihre Lieblingsbücher machen. Andererseits nützt diese Aufmerksamkeit herzlich wenig, wenn man sie nicht sinnvoll kanalisieren, d.h. auf Shops verlinken kann, in denen das besagte Buch dann auch tatsächlich erhältlich ist.

Eine verrückte Idee?

Wir haben uns deshalb folgendes überlegt: Wieso an Stelle zentraler Strukturen nicht dezentrale Strukturen aufbauen und Bestellungen direkt an die Verlage weiterleiten? Und damit tatsächlich die kompletten Verlagsprogramme inklusive der jeweiligen Backlists direkt verfügbar machen?

Der Nachteil: Im Gegensatz zu Amazon & Co. könnten wir so nicht von gebündelten Versandkonditionen (z.B. bei DHL oder UPS) und einer auf maximale Effizienz gebürsteten Logistik profitieren, was wiederum bedeutet, dass der Versand dieser Bücher zu Lasten von Liefergeschwindigkeit und Versandkosten gehen würde.

Eine versandkostenfreie Lieferung zum nächsten Tag wäre so nicht machtbar, da wir (bzw. unsere Partnerverlage) entweder per Büchersendung (jedenfalls so lange es diese noch gibt) verschicken müssten (was bei der Post eine Laufzeit von bis zu 5 Werktagen hat) oder aber wir müssten, um nicht bei jeder Bestellung draufzulegen, Portokosten verlangen, da wir bei DHL dann genau die gleichen Preise für Päckchen und Pakete haben wie jede*r andere auch. Was das bei einem Bestellwert von EUR 10,– (z.B. als Einzelbestellung für ein Taschenbuch) bedeutet, könnt ihr euch ausrechnen.

Nichtsdestotrotz sind wir der Meinung, dass es das im Sinne der +Bibliodiversität mehr als wert wäre. Vor allem aber würdet ihr dann keine anonymen Päckchen mehr aus Massenabfertigung von schlecht bezahlten Lagerarbeiter*innen bekommen, sondern beste Bio-Buchware frisch vom Erzeuger bzw. der Erzeugerin.

Also, was meint ihr? Gute Idee? Verrückte Idee?

Wir sind gespannt, was ihr dazu denkt ...

Update: Aussehen könnte das Ganze wie folgt:

Der Grundgedanke wäre, dass die Verlage nichts weiter zu machen bräuchten als ab und an ein Päckchen zu packen – eben bei jenen Titeln, die nicht übers Barsortiment zu haben sind [auch wenn wir theoretisch natürlich auch alle Bestellungen weiterleiten könnten] – und zur Post zu bringen, da wir uns um den Rest kümmern, d.h.:

  • Die Daten müssten die Verlage nicht noch einmal extra einpflegen, da wir die über das VLB ziehen.
  • Bücher, die über das Barsortiment verfügbar sind, versenden wir auch weiter auf dem gewohnten Weg.
  • Bücher, die NICHT übers das Barsortiment verfügbar sind, aber im VLB als "lieferbar" gemeldet sind, leiten wir an die teilnehmenden Verlage weiter.
  • Die Kund*innen zahlen wie gewohnt über mojoreads und bekommen auch ihre Rechnung von uns.
  • Die teilnehmenden Verlage bekommen dann jeweils eine Mail mit dem fertigen Lieferschein, den sie nur noch ausdrucken müssen und versenden die Bücher.
  • Am Ende des Monats (oder des Quartals, je nach Bestellvolumen) bekommen die Verlag eine Sammelgutschrift von uns.
  • Und sofern die Verlage möchten, können sie sich jederzeit ins unser mandantenfähiges Publisher-Dashboard einloggen, worüber sie sowohl ihre Verkaufszahlen sehen als auch ihre Metadaten bearbeiten können.
  • Letzteres müssen sie wie gesagt aber gar nicht, da wir uns die Daten vom VLB ziehen – sprich: sind die VLB-Daten sauber gepflegt, sind sie es auch automatisch bei uns.
  • Und den ganzen Stress mit Endkundensupport, Rückgaben, etc. pp. nehmen wir auf unsere Kappe.
  • Verlag
  • Buchhandel
  • Shop
  • Independents
  • Unabhängige Verlage
  • Bibliodiversität
  • Barsortiment
  • Lieferbarkeit
  • VLB
  • Backlist
avatar
Dagmar
Sep 21, 6:39 PM
Mir würde das ausnehmend gut gefallen. Wenn ich ein Buch wirklich auf den nächsten Tag brauche (was fast nur bei vergessenen Geburtstagen vorkommt) be...